Ich für meinen Teil habe lange daran gezweifelt ob ein Frühjahrsmarathon für mich das Richtige wäre. Die Skitourensaison mit über 40 Touren war für meine Verhältnisse doch recht intensiv. Paralell dazu jedenfalls vor 12 Wochen mit der Vorbereitung begonnen. Claudia und Matthias haben sich beide das Ziel ihren 1. Halbmarathon zu absolvieren vorgenommen und haben ihre Vorbereitung auch, DIE eine mehr DER andere weniger genau, eingehalten 😉

Jedenfalls war bei uns allen die Anspannung groß. Viele Fragezeichen im Raum und bei Claudia leider ein gesundheitliches Handicap. Anreise und Unterbringung perfetto, Startunterlagen abgeholt und für den nächsten Tag den Treffpunkt vereinbart. Matze, der Exiltiroler in Wien, und somit so Halblocal war uns „Landeiern“ eine große Hilfe 😉

Sonntag früh traumhaftes Läuferwetter bei 10-12 Grad und bedecktem Himmel. Gänsehautfeeling schon am Start, daran waren aber nicht die Temperaturen Schuld!

1. Rekord: Teilnehmerrekord: über 42000 Teilnehmer

Start. Claudia startet überlegt ganz hinten und rollt das Feld von hinten auf. Der Anblick von 40000 Läufern vor ihr auf der Brücke lässt die Gänsehaut auch bei ihr vorbeischauen. Bei ihrem ersten Antreten bei einem Halbmarathon ein gute Entscheidung es langsam angehen zu wollen. Kopf, Lunge und Beinmuskulatur spielen super mit, allerdings die Aussenbänder im Kniebereich sind ab km 13 ziemlich beleidigt, und so ist sie gezwunden den ein oder anderen „Sightseeing-technisch interessanten Abschnitt“ langsam im Gehtempo hinter sich zu bringen! 😉 Trotzdem:

2. Rekord: 1. Halbmarathon gefinished für Claudia

Matze, Hobbytriathlet, startet im selben Startblock wie ich. Punkt 9 gehts los. Kurzes Handshake und jeder ist auf sich allein gestellt. Matze peilt die 1:45:00 an und macht sich aus dem Staub. Leider hatte er in letzter Zeit besonders viele berufliche Verpflichtungen und somit fehlt ihm auf den letzten 2 km das Quäntchen Schmalz um das Tempo aufrecht zu erhalten. Aber viel hat nicht gefehlt!

3. Rekord: Matzes 1. Halbmarathon sub 1:50:00 – bravo!

Ziemlich exakt um die gleiche Zeit hab ich den Halbmarathon auch passiert und bis dahin wirklich einen perfekten Tag erwischt. Keinerlei Beschwerden, alles geht locker von den Beinen. Und der Vorsatz auf den nächsten 10 km sich nicht zu verheizen kommt mir immer wieder in den Kopf. Zwischenzeitlich:

4. Rekord: Streckenrekord: Getu Feleke (ETH) 2:05:41

ABER: und das wissen alle die schon einmal einen Marathon gelaufen sind, das Rennen beginnt erst ab km 30. So weit so gut, dann aber für mich der mental schwierigste Abschnitt. KM 31 ist passiert und dann läuft man gut 2 km Richtung Lusthaus, einmal um dieses Runde Ding herum und die 2 km wieder retour. Beim Retourweg ist die Motivation die ich mitnehmen kann dass andere erst auf dem „Rausweg“ sind, lange nicht so hoch wie der Gedanke beim „Rauslaufen“ dass die anderen diesen Abschnitt schon hinter sich haben. Aufreibend und zermürbend triffts ganz gut denke ich. Trotzdem, Zähne zusammenbeißen und Gas geben. Aber dann: Das „Gas“ hat noch bis km 36 gehalten und dann hat es wieder nur mehr als Sparflamme gelodert. Also doch zu schnell angegangen. Subjektiv habe ich das Gefühl zu Stehen obwohl ich mich bis in die Zehenspitzen verausgabe. Aber im Nachhinein ist, bitte nicht falsch verstehen, dieser Teil einer der interessantesten beim Marathon. Diesen Moment, wo der innere Schweinehund auftaucht, irgendwo aus dem Busch springt, dich immer wieder und wieder und wieder überholt, sich dir vor die Beine wirft, und dich zwingt mit allergrößter Anstrengung über ihn hinwegzuspringen, auszustellen und ihm zu widerstehen obwohl viel einfacher wäre stehenzubeleiben und mit ihm eine kleine Unterhaltung anzufangen – dieser Moment wird im Ziel belohnt. Genau auf den letzten 200 Metern die man über den blauen Teppich an der Tribüne vorbei bis zum Zielbogen läuft. Ein Schauer der einem über den Rücken läuft, ein Lächeln das dir noch über die Lippen kommt obwohl dir zum Heulen ist. Die Erleichterung endlich stehenbleiben zu dürfen!

5. Rekord: PB: 3:36:40

Der restliche Tag ist der Wahnsinn. Beim Museumsquartier in einem Lokal auf die Erfolge mehrmals angestoßen, mit der U-Bahn ca. 3 – 6 mal quer durch Wien um zu Duschen, zu Essen, zu Feiern und zurück zum Hauptbahnhof zu kommen.

Hier entstand auch das Titelbild des Artikels – die letzten Stufen die Claudia an diesem Tag erklimmen mußte! Ihr persönlicher „Stairway to Heaven“!

http://www.youtube.com/watch?v=w9TGj2jrJk8

Achja – vom Laufclub LC basecamp Wipptal waren natürlich auch jede Menge Leute dabei – teilweise mit sensationellen Ergenissen!